Nach 1945 entging Howaldt als einzige der Kieler Großwerften der Demontage. Sie weitete sich nach Gaarden aus (dem heutigen alleinigen Standort) und profitierte vom "Wirtschaftswunder" im Nachkriegs-Westdeutschland. Ihren heutigen Namen erhielt sie 1968 nach der Fusion der Kieler Howaldtswerke AG und der Howaldtswerke Hamburg AG mit der Hamburger Deutsche Werft GmbH. In seinen besten Zeiten beschäftigte das Unternehmen rund 24 000 Mitarbeiter in Kiel und Hamburg. Aber die mit Regierungsgeldern unterstützte Schiffbauindustrie in Fernost sorgte mit Dumpingpreisen dafür, dass der Schiffbau in Europa in die Krise geriet. Davon blieb auch das Howaldtsche Imperium nicht verschont. So konzentrierte sich HDW schließlich auf den heutigen Standort in Kiel-Gaarden und präsentierte sich 1990 als eine der modernsten Werften in Europa, effektiver und rationeller denn je. Mitte der neunziger Jahre sorgte die Umstellung auf weitgehend computergestützte Fertigung für Aufsehen. Und am Ende des alten Jahrtausends begann mit dem Kauf des schwedischen Schiffbauers Kockums der Weg nach Europa, der 2002 mit dem Kauf von Hellenic Shipyards in Griechenland fortgesetzt wurde. Heute ist HDW ein Teil des europäischen Werftenverbundes ThyssenKrupp Marine Systems, zu dem auch die Emder Werft- und Dockbetriebe sowie Kockums und Hellenic Shipyards gehören.

Die Geschichte einer Werft ist immer auch die Geschichte der Schiffe, die sie gebaut hat. Bei Howaldt ist im Laufe der über 170-jährigen Geschichte eine stattliche Flotte mit Schiffen aller Typen entstanden. Es waren immer wieder innovative Schiffe darunter. Dies ist zum Beispiel das Polarforschungsschiff "Gauß" (1901), das unter dem Kommando der Kaiserlichen Marine auf einer dreijährigen Reise soviel neue Forschungsergebnisse aus der Polarregion sammelte, dass die Wissenschaft über zehn Jahre mit der Auswertung beschäftigt war.

Schon 1911 begann bei Howaldt das Dieselzeitalter, als das zweite Motorschiff der Welt "Monte Penedo" die Werft verließ. Den in Hamburg gebauten Transatlantikliner "Imperator" (1913) bestaunten die Zeitgenossen ebenso wie den ersten "Supertanker" der Welt "Jupiter" (1914). Für die Kaiserliche Marine Russlands entstand "Okean" - ein Unikum mit 17 Kesseln! 1936 baute Howaldt den ersten schwimmenden Flugzeugstützpunkt für den transatlantischen Luftpostverkehr der Lufthansa, das Katapultschiff "Ostmark".

Der Wiederaufstieg der Howaldtswerke nach dem Zweiten Weltkrieg begann mit Tankern, Walfangmutterschiffen und Fischfabrikschiffen. Mit dem 46.000-tdw Tanker "Tina Onassis" setzte Aristoteles Onassis 1953 neue Maßstäbe. Er ließ bei Howaldt in Kiel auch noch die kanadischen Korvette "Stormond" in die Luxusyacht "Christina" umbauen. 1968 wurde in Kiel der Atomfrachter "Otto Hahn", eines der wenigen zivilen Atomschiffe der Welt gebaut. Das 1982 gebaute Polarforschungsschiff "Polarstern" ist eines der erfolgreichsten Forschungsschiffe der Welt geworden.

Im Containerschiffbau hat HDW weltweit Maßstäbe gesetzt. Unter Federführung der Werft ist das Konzept "Schiff der Zukunft" entwickelt worden, das heute auf der ganzen Welt bekannt ist. Innovativ war auch das neuartige lukendeckellose Containerschiff. Die "Norasia Fribourg" war 1993 das erste Schiff einer Reihe von "Open Top Containerships", darunter nach dem gleichen Prinzip die größten Kühlcontainerschiffe der Welt "DOLE COLOMBIA" und "DOLE CHILE", die 1999 "Ship of the Year" wurden. Und: Über den grünen Klee lobten Reeder und Kapitäne 2002 sechs Fähren für die griechische Reederei SUPERFAST für ihre Schnelligkeit, ihren Fahrkomfort und ihr Seeverhalten.

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